der Nebelmacher

in mir und um mich herum nur Nebel. Die Anteile zanken sich im Hintergrund und ich schaue aus mir raus, wie durch ein Milchglas. Ich sehe nicht, ich höre nicht. Jedes Wort hallt nach und ich spüre mich nicht.

Mal wieder habe ich nur durch Zufall erfahren, dass die WG Besprechung morgen vielleicht ausfällt. Warum weiß ich das nicht? Kann man dann nicht allen Bescheid geben – aber das ist mir gerade wie weiße, softige Zuckerwatte, weil ich auf einer Wolke schwebe, völlig egal. Aber ein gewisser Anteil musste das kurz loswerden.

Manchmal ist innerer Nebel sogar ein bisschen gut – als könnte ich schweben. In solchen Momentan liebe ich die Dissoziation. Aber es wechselt ja alles. Zwar kann ich mich nicht klar ausdrücken und klar fühlen, aber die Gefühle schreien in mir umeinander. Ich schreie zurück, sie sollen sich der Reihe nach anstellen und während des Wartens die Klappe halten, anstatt so einen Lärm zu machen, dass ich euch wahrnehme – ich weiß ja, dass ihr da seid. Aber ein Anteil in mir hat alle Schutzschilde aufgefahren und will euch im Hintergrund wissen. Er sorgt für Nebel, um das überhaupt ertragen zu können.

In meinem Kopf rast alles. Ich habe schon wieder Fressdruck und Kotzdruck und Schneidedruck noch oben mit drauf. Ich weiß gar nicht wohin mit mir selbst. Wobei der Schneidedruck am stärksten ist.

Durchhalten! Aushalten, bis es vorbei geht – und es wird vorbei gehen!
Ich schaffe das 🙂 (*hahaha… ich lache mich tot). frlvoni, das war kein funktionaler Beitrag! Also noch mal und dieses Mal ernsthaft: ich schaffe das! (besser!)

Ich habe solche Angst. So unfassbar große Angst wieder fett zu werden, denn mein Bauch ist schon wieder explodiert und er steht fett und schwabbelig über dem Hosenrand. Es ekelt mich so an. Wahrscheinlich wiege ich mich morgen doch. Gestern hatte ich zugenommen und trotzdem Gefrühstückt. Da war ich ganz stolz drauf. Na ja. Morgen Wiegen und dann sehe ich weiter.

Ich war morgens mit Voni ausreiten im Wald. Es war so schön. Heute Morgen ging es mir noch richtig gut. Ich bin um 05:40 Uhr hier losgefahren und zu meinen Eltern, dann sind wir an den Stall. Während des Spaziergangs überdrehten meine Augen ganz heftig. Zwei Stunden, dann hatte ich sie wieder im Griff. Nee halt mal, jetzt stimmt was nicht. Ich war gestern spazieren und heute ausreiten. Ich habe so viele Zeitlücken und bringe alles durcheinander. Ich weiß einfach nicht was gestern, vorgestern oder heute war. Ich mische alles. Tut mir leid. Jedenfalls: Ich habe zu Mittag dort gegessen und das hat alles gut geklappt. Ich bin stolz darauf. Aber es macht mir unsagbar große Angst. Immerhin habe ich mal wieder gebloggt. Mache ich wirklich öfter gerade. Das tut mir total gut.

Wieder daheim angekommen war ich glücklich ohne Ende, es ist so schön hier in meiner WG und während ich am Sonntag so sehr durchgedreht bin, dass ich Tavor brauchte und Klinik in Erwägung zog, ging es mir heute richtig gut. Der Nebel ist angstmachend, aber er macht alles soft und so schwebe ich durch das Haus wie ein kleiner Ball und im Hintergrund ist extremer Lärm von meinen Anteilen, aber der, der den Nebel macht, sitz wohl gerade am Mischpult.

Und irgendwie höre ich dem Nebelmacher gerne zu. Es ist alles so soft. Manchmal tanze ich im Zimmer. Ich werde diesen Nebelmacher öfter kommen lassen, ihn buchen. Aber was der Haken ist, ist, dass ich mich wie eine Hülle fühle und einer Hülle kann bekanntlich nichts passieren und der Nebelmacher will manchmal, dass ich was gefährliches mache. Allerdings nicht heute. Heute sorgt er nur für die Stimmung.

Liebe Grüße
Fräulein Voni

*das Original zu diesem Text entstand in einer Mail an meine Lieblingsbetreuerin!

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Du kommst hier nicht rein!

Der junge Mann steht jetzt vor meinem Süßigkeitenfach.

Ich hoffe er lässt mich nicht rein! 🛇

#spaßmusssein #eigentlicheineguteidee #dukommsthiernichtrein #fuckeatingdisorder #edfighter #dissociativedisorder #hoffentlichklappts

Was gibt es sonst zu sagen… also ich habe ereignisreiche Tage hinter mir. Ich war viel bei den Pferden, habe mich gewogen (Zunahme) und trotzdem gegessen. Ich habe über einen halben Tag ausgehalten, bis ich schließlich doch eingeknickt bin und noch kotzen musste.

Ich dissoziiere sehr, sehr viel. Es sind weniger die Wechsel der Anteile, die mich belasten, als viel mehr die Leere und krasser innerer Nebel, tief in meinem Kopf. Ich stehe neben mir und werde definitiv von Außen gesteuert. Ich fühle mich nicht in mir drin. Außerdem vergesse ich ständig Dinge und vertausche alles. Mein Zeitgefühl ist weg.

Bei den Pferden aber war es ganz besonders schön. Unsere Osteopathin sagte zu mir „dein Pferd ist sehr glücklich, wenn du in seiner Nähe bist“, das war das schönste Kompliment das ich mir auf Erden nur vorstellen konnte. So eine beeindruckende Frau. Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich sie kennenlernen konnte. Und gleich heute bin ich eine große Runde mit meinem Voni durch den Wald geritten – es war ein Traum!

Ihr seht… viel Schwieriges, aber auch vieles, das wunderschön ist. Und somit bin ich eigentlich in erster Linie sehr dankbar. Ich glaube das Leben stellt mir einfach neue Aufgaben!

wenn ich so gar nichts mehr aushalten kann

Ich hatte einen wunderbaren Start in den Tag, bin früh zu den Pferden, war ausreiten mit Handpferd und habe im Anschluss gemistet, mit meinem Opa zusammen. Als ich wieder bei meinem Vater war, haben wir zusammen die Wohnung meiner Eltern geputzt, da meine Mutter heute aus dem Urlaub wieder kommt. Das wird sie freuen.

Jetzt, da ich wieder in der WG bin, weiß ich aber absolut nicht wohin mit mir. Ich hatte 12 verschiedene Bücher in der Hand, die ich hätte lesen können. Keins hielt mich.

Ich habe meinen Laptop 6 x hoch und runter gefahren, weil ich mir immer sagte, dass ich ja etwas schreiben könnte. Aber das hielt ich auch nicht aus.

Ich hatte die Hoffnung, dass das Mittagessen eine Änderung bringt. Hat es aber nicht und das Einzige das bleibt ist, dass ich aushalten muss, dass ich es nicht aushalten kann.

Die Kotzerei hinter mir zu lassen ist wirklich schwer. Sie hat so viel Druck abgebaut und jetzt soll ich ohne sie auskommen? Es zwingt mich ja niemand dazu, aber ich sehe die Notwendigkeit dahinter. Und ich will das zumindest mal ernsthaft versucht haben.

Und so liege ich auf dem Bett, schaffe es doch immerhin diese Zeilen zu schreiben und sage mir, dass es klargeht, wenn ich heute mal keine Lust auf nichts habe. Ich kann einfach meine Basis chillen und ich war heute schon sehr fleißig! Es ist okay, wenn ich nicht klar komme. Ich muss es nur aushalten!

was stimmt denn nicht mit mir?!

Heute war ein Tag voller Aufregung und Spannung. Negativer Anspannung, um genau zu sein. Meine Lieblingsbetreuerin und ich, haben aber etwas Großes, etwas Wunderbares ins Leben gerufen: Einen Ernährungsplan.

Gleich heute bin ich daran gescheitert und habe abends gefressen und gekotzt und das Mittagessen habe ich ganz ausfallen lassen. Aber ich werde jeden verdammt harten, einzelnen Tag daran arbeiten. Das verspreche ich!

Jetzt am Abend bin ich total fertig und am Ende. Am liebsten würde ich jetzt schon schlafen, aber es ist noch nicht einmal 17.30 Uhr. Ich muss mich noch ein Weilchen zusammenreißen.

Heute habe ich mich oft gefragt, was mit mir nicht stimmt. Heute war alles existenziell bedrohlich für mich. Ich dachte, dass ich an kleinen Handlungen zugrunde gehen würde und ich hatte das Gefühl sterben zu müssen, vor lauter Überforderung. Und heute hat einfach jede Kleinigkeit zur Überforderung gereicht.

Nach dem Erbrechen von eben, habe ich nun wieder Nüsse und Gummibärchen gegessen und ich schwitze, weil mein Körper so durcheinander gewirbelt ist.

Was stimmt denn nicht mit mir? Warum falle ich immer wieder auf meine eigenen Anteile rein, die mich kaputt machen wollen!?!

Dieser Post wurde schweißgebadet gesendet. Kotze ich jetzt wieder?

2 Monate outpatient. Wer bin ich?

Ich kann es kaum fassen: nun ist es schon 2 Monate her, dass ich nach 9 Monaten Klinik, aus dieser entlassen wurde. Nicht geheilt. Aber ein bisschen stabiler, wenn man so will.

Die ersten Wochen daheim, war ich sehr euphorisch. Das hat sich wieder gelegt. Die depressiven Gedanken und Symptome haben wieder Einzug gehalten und ich dissoziiere sehr viel. Meine Anteile wechseln schnell. Aber sie zeigen sich und meine Therapeutin und Ärztin sagt, dass es doch immerhin ein Zeichen von Leben sei, in meiner sonst so harten Fassade. Was soll ich sagen: sie hat Recht!

Heute haben wir wieder WG-Besprechung und meine Lieblingsbetreuerin und ich wollen in dieser das Thema Dissoziation ansprechen. Es war nicht meine Idee… aber ich sehe ein, dass es Sinn macht. Denn ich habe gerade absolut keinen Einfluss auf meine inneren Wechsel und meine Therapeutin sagt, dass ich das nicht willentlich steuern kann. Sie sagt auch, dass der selbstbestrafende, kontrollierende und destruktive Teil in mir auch nur ein Anteil ist und dass das nicht ich bin. Das hat mich sehr erleichtert und hat viele Anteile eingeladen sich zu zeigen. Noch stehe ich verunsichert am Rand meines Selbst und sehe diesem Schauspiel zu. Es ist aufwühlend und verwirrend. Aber es macht mich auch neugierig. Frei nach dem Motto „wer bin ich? Und wenn ja, wie viele?“

Am Montag war ich noch mal bei meiner Therapeutin und habe meinen Tavor-Bedarf abgeholt, den ich in der Woche zuvor vergessen hatte. Das war sehr schön und herzlich. Es hat mir so gut getan sie zu sehen und in der Praxis gewesen zu sein und trotzdem denke ich, dass der 2-Wochen-Rhythmus für die Therapiesitzungen klar geht.

In einer guten Woche habe ich also wieder ambulante Therapie und dann sind, aufgrund des Jahresurlaubs in der Praxis, leider 4 Wochen Pause. Aber mit meiner Lieblingsbetreuerin an meiner Seite, schaffe ich auch das.

Ja, wer bin ich? Was macht mich aus? Wie komme ich in die Kommunikation mit meinen Anteilen? Meine Therapeutin hat mir vorgeschlagen ein Buch für Notizen auszulegen, in das alle Anteile hineinschreiben oder malen dürfen. Dieser Idee schenke ich Raum und Zeit.

Leider habe ich mich gestern selbstverletzt. Ich habe mich geschnitten, konnte aber alles selbst versorgen. Warum? Keine Ahnung. Ich habe es kaum mitbekommen. Die Selbstverletzung ist aber kein Grund jetzt in einem Tief zu versinken.

Im Gegenteil: ich biete dem Leben die Stirn!

Annika: „der Wind wird immer stärker!“

Pippi: „das macht nichts: ich auch!“

Ich verliere nie meinen Humor, er wechselt höchstens die Farbe.

Ich bin emotional wieder viel mehr daheim, in meiner WG, angekommen. Ich habe gestern den kompletten Tag dort verbracht und es war echt schön, auch wenn es ein unglaublich anstrengender Tag war, weil sich die Anteile nur so türmten und sich, glaube ich, ständig abgewechselt haben. Für mich ist das momentan noch ein ziemliches Chaos.

Warum der Tag trotzdem schön war? Weil ich mich zuhause gefühlt habe. Ich war am richtigen Platz. Frei von jeglicher Fremdzerstörung an mir. Und das war einfach gut.

Jetzt bin ich trotzdem bei meinen Eltern und übernachte dort auch. Aber in der Zeit die ich auch heute wieder daheim in meiner WG war, fühlte ich mich wohl und aufgehoben. Ich habe gelesen und in Abwechslung mit dem Lesen, Klavier gespielt. Und weil mir das so gut getan hat, mache ich das jetzt auch weiterhin. Lesen. Und Musik. Lesen und Musik.

Gestern hatte ich zwar wirklich nichts zu lachen (ich habe es aber trotzdem gemacht). Es war ein trauriger, schwieriger und irgendwie schwarzer Tag. Aber ich bin froh, dass ich meinen Humor behalte, bei all dem Leid, das ich durchlebe. Und dieser wird mich wohl nie verlassen:

„Ich verliere nie meinen Humor, er wechselt höchstens die Farbe!“