Peripher vorhanden.

Im Grunde genommen, bin ich nur peripher vorhanden. Und ich suche meine Motivation. Motivation um einen Brief zu schreiben, Joggen zu gehen oder wenigstens aufs Ergometer zu sitzen und „eine Runde zu fahren“. Stattdessen liege ich mit Mia auf der Couch.

Nachdem ich gestern in der WG fleißig war (Bad geputzt, Wäsche gemacht, Zimmer geputzt) und beinahe den Ekel-Tod gestorben bin, bin ich gerade zu meinen Eltern gefahren und weiß noch nicht wie lange ich bleibe.

Der Ekel-Tod überkam mich, als ich das Putzwasser vom Wischen ins obere Klo gekippt habe. Ich gehe da normal nicht drauf, weil es immer stinkt und eklig ist – aber was ich gestern sah, hat alles übertroffen was mir bis dahin schon ein Graus war. Hinten war die Schüssel und die Klobrille verschissen und vorne voll mit Menstruationsblut. Wie kann man nur? Wie kann man? Ich begreife das nicht. Und aus diesem Anlass bin ich heute Morgen geflohen. Es schüttelt mich einfach! Ich verstehe es nicht. Es kann ja passieren (nee, eigentlich nicht?!), dass man mal was dreckig macht, aber warum wischt man es dann nicht einfach weg oder schnappt sich einen Badreiniger oder so?

Das hat doch auch etwas mit Respekt zu tun!?

Ich mache auch eklige Dinge: ich kotze ins Klo. Aber jedes Mal reinige ich alles gründlich! Ich achte auch darauf möglichst schnell nach dem Essen zu erbrechen, damit es nicht nach Kotze riecht. Und dass ich hinterher alles sauber mache ist Ehrensache! Ich werde mich nicht bei meinen Mitbewohnern A. und C. beschweren, aber ich werde dieses Klo nicht mehr betreten. Zum Glück haben wir im Keller ein Zweites, das, dessen Porzellan ich oft umarmt habe um mein Essen wieder loszuwerden. Ich habe beschlossen, dass ich das nicht mehr tun werde. Auch aus Respekt. Ich kann nicht von anderen erwarten, dass sie eklige Sachen sein lassen, wenn ich selbst Ekliges tue. Aber ich bin mir selbst gegenüber trotzdem dankbar, dass ich Sauberkeit hochansiedle.

Im Grunde genommen, bin ich nur peripher vorhanden! Ich bin abwesend. Schockiert. Traurig, aber in erster Linie angeekelt. Aber so sehr ich das Ekelgefühl spüre, so wenig bin ich präsent… eben nur an der Peripherie meiner Existenz. Was bin ich? Wer bin ich? Was will ich und was möchte ich vorleben?

Ich brauche jetzt Zeit für mich. Deshalb bin ich auch raus aus der WG und zu meinen Eltern. Irgendwie setzt mir das alles total zu und ich weiß gar nicht weshalb!

Müde bin ich, geh zur Ruh’…

Naja nee doch nicht. Müde bin ich zwar, aber ich gehe zu Mia und Voni. „Zur Ruh'“ dauert noch etwas.

Voni und mich habe ich folgenden Plan vor: ihn gründlichst zu putzen, dann darf er aufs Laufband und anschließend unters Solarium. So mal die Planung… denn es kann immer sein, dass etwas nicht frei ist und dann muss ich meinen Plan umwerfen. Das wäre doof und schade. Aber ich hoffe einfach, dass um die Mittagszeit jetzt noch nicht allzu viel los ist. Das ist dann heute meine:

„Voni-Verwöhn- und Wellness-Behandlung“ und darauf freue ich mich total! 😊

Die „Perle“ in meinem Finger

Vor nun genau 8 Wochen sind Voni und ich total heftig gestürzt. Er ist gestolpert und eingeknickt und ich vornüber herunter gestürzt. Ich sah noch wie er sich überschlagen hat. Ich hatte eine riesen Angst um ihn! Zum Glück hat er sich nicht verletzt, bis auf ein paar Prellungen, der Sattel hat ordentlich was abbekommen, vielleicht hat der ihn auch etwas geschützt.

Mir tat erstmal nichts weh, ich hatte die volle Adrenalin-Dröhnung. Aber ich hab schon gemerkt, dass was nicht stimmt. Ich habe mich aber erstmal um meinen Helden gekümmert. Ganz viel mit ihm geredet und ihn heim in den Stall geführt.

Am Montag bin ich dann doch zu meinem Chirurgen gegangen, weil sich die Schmerzen manifestierten und stärker wurden und es wurden mehrere Röntgenbilder gemacht. Dabei kam heraus, dass ich mir rechts das „Radiusköpfchen“ (Ellbogen) gebrochen hatte, links das Handgelenk (das stehe aber gut und heile mit Gips) und der rechte Ringfinger war so gebrochen, dass er operiert werden musste.

Die OP (in Vollnarkose) fand dann einige Tage später statt und mir wurde ein Stab in den Finger gesetzt. Mein Onkel fragte so nett, wann ich die „Perle“ wieder rausbekomme. Soweit war es dann letzte Woche. Dieser Eingriff war jedoch unter Regionalanästhesie möglich.

Es war rückblickend keine einfache Zeit, aber sie hat mich jeden Tag mehr gelehrt Hilfe anzunehmen. Ich konnte mit je einem Gips pro Arm, also rechts UND links, nicht einmal selbst meine Haare waschen. Man kann es sich schwer vorstellen, aber selbst aufs Klo gehen wurde zur Herausforderung, was ich aber zum Glück selbst konnte. Auch habe ich mich selbst waschen können, unter Schmerzen (an dieser Stelle ein Danke an „Tilidin“ xD).

Jetzt bin ich soweit wieder hergestellt. Mein linkes Handgelenk tut noch weh, aber es wird besser. Beim Ringfinger wurde gestern der Faden gezogen und ich habe ihn heute, seit genau 8 Wochen, das erste mal wieder ohne Gips, Draht/ Stift, Verband oder Pflaster. Krasser Scheiß ist das ein geiles Gefühl (sorry, musste mal genau so raus!)

Es sind wieder so viele Tage ohne einen Beitrag hier ins Land gezogen. Es liegt wohl daran, dass es mir sehr sehr schlecht geht die letzte Zeit. Immer wieder war Klinik eine Option. Aber ich schaffe es bislang ohne.

Meine Lieblingsbetreuerin ist am Dienstag wieder da und bis dahin will ich in jedem Fall durchhalten. Dann entscheiden wir neu. Mein Betreuer aber ist da. Wenn ich in Not bin, darf ich mich sicherlich bei ihm melden!

Gerade war ich mit unserem Hund spazieren. Es war ein schöner Start in den Tag, das Wetter herrlich und ich, nach Wochen, endlich einmal für ein paar Minuten ohne inneren Druck, der mich sonst gerade schier zum explodieren bringt.

Die letzte Woche habe ich hauptsächlich in der ambulant betreuten WG verbracht und war wenig bei meinen Eltern. Das war eine gute Erfahrung. Ich hoffe, dass ich das weiter so machen kann.

Gleich fahre ich dann wieder nach Hause in die WG und nächste Woche steht ein 3er Gespräch mit meinen beiden Betreuern an. Die Woche darauf bin ich mit meiner Betreuerin bei meiner Psychiaterin.

Meine best wirksame Ablenkung ist derzeit Sport. Ich gehe Laufen, Spazieren, mache Freeletics und Workouts mit George Jones. Ein bisschen übertrieben mag es sein. Gestern konnte ich nicht einmal einen Spaziergang zu Ende bringen, weil ich so schwach war.

Ich hoffe sehr, dass der innere Druck und das innere Chaos bald aufhören. Es ist ein ekliges Gefühl und es zerreißt mich fast. Meine Betreuerin sprach von radikaler Akzeptanz und Achtsamkeit und letzterer widme ich mich jetzt: Zeit für eine Meditation mit 7mind!

noch 2 1/2 Stunden

2. Bericht

Es sind noch zweieinhalb Stunden, bis die Feier beginnt. Als ich diesen Text begonnen habe, waren es noch zwei Stunden mehr, aber inzwischen habe ich mit meiner Mum die neue Kaffeemaschine eingeweiht und nach Bedienungsanleitung gestartet und liege jetzt mit Mia ein wenig auf dem Bett herum.

Die „Heilig Abend Zeremonie“ startet dann um 18 Uhr. Vorher war ich schon todesmüde und wusste nicht, wie ich das schaffen soll bis 18 Uhr durchzuhalten. Fragte mich, ob ich mich wohl mal hinlege?! Aber jetzt bin ich wieder fit und wach und bereit für den Abend.

Ich habe heute alle vier Pferde bewegt. Habe geduscht und gehe nachher noch mit unserem Hund raus. Ein schönes Weihnachtsfest. Ich habe das Gefühl allen Tieren gerecht geworden zu sein und das bedeutet mir so viel!!

Dann folgt später die Feierei und dann ist auch irgendwann alles gut.

Aber ich nehme mir für heute vor, ganz lange durchzuhalten! Ich habe nichts zu verlieren. Morgen haben wir keinen Stalldienst und ich kann morgen ausschlafen und mir auch das ein oder andere Glas Wein genehmigen.

Was mir auffällt aber ist, dass ich wenig Journalistin bin gerade, aber viel Tochter, viel Enkeltochter, Schwester. Jetzt ist Zeit nochmal Distanz aufzubauen. Oder will ich heute mitfühlen? Will ich heute nicht vielleicht doch einmal Tochter sein? Als Enkeltochter meine Großeltern lieben und schätzen? Meinen Onkel umarmen und familiäre Liebe spüren? Meine Schwester bei mir wissen?

Vielleicht lasse ich mich erstmal auf meine Gefühle ein und gehe einfach dann auf Distanz, wenn es passend ist und ich das brauche.

Partners in crime!

Ich habe so bezaubernde Freundinnen. Ist das nicht über die Maßen lieb und schön? Ich bin so verzaubert und die mir entgegenströmende Liebe tut so unwahrscheinlich gut!

Das habe ich heute in meinem Adventskalender gehabt. Und ein riesiges Geschenk extra zu Weihnachten kam noch dazu. Das packe ich aber erst heute Abend aus. 🎄

*Und ich frag dich „ich hab so oft alles gegeben, doch war das am Ende genug?“

Und du sagst „Klar, das ist doch dein erstes Mal Leben und daher dein bester Versuch!“* ❤

Danke, meine Liebste!

wenn alles sein kann und alles sein darf

1. Bericht

Nach meines Morgenspaziergangs und ausgiebigen Wechselduschens hatte ich eine sehr, sehr effektive und aufbauende Betreuungseinheit bei Frau Hoffnung.

Frau Hoffnung und ich haben uns besprochen, und kamen auf einen super Gedanken: „wenn ich mir alles erlaube und alles sein kann und alles sein darf, dann kann mich nichts enttäuschen!“

Ich habe mir desweiteren vorgenommen mich in die Rolle einer Journalistin zu begeben. Nicht als Tochter, Enkeltochter, Schwester oder Nichte durch die Feierlichkeiten zu gehen, sondern als Reporter, der für seinen Bericht einfach Daten und Fakten zu sammeln hat. Meine Berichte will ich euch zugänglich machen, sie hier festhalten.

Um mir das immer und immer wieder in Erinnerung zu rufen, in welcher Rolle ich dieses Weihnachten sein möchte, ist der oben zitierte Satz sowohl auf meinem Laptop, als auch auf meinem Handy zum Hintergrundbild geworden. Es ist nämlich echt schwer ein Journalist zu werden, in einer Welt, in der man sonst so eng aufeinander lebt.

Trotz allem werde ich dadurch nicht kalt werden. Ich werde im Kontakt bleiben. Aber ich werde eben auch eine innere Distanz zu wahren versuchen. Mich nicht zwischen Stühle setzen lassen… und so.