Outpatient: heute werde ich entlassen!

Jetzt ist es also soweit und ich werde heute entlassen. Heute Morgen war ich noch gleich um 6 Uhr mit J. im Blühenden Barock spazieren und habe mich dort innerlich noch mal von der Klinik und meiner 9 monatigen Zeit hier verabschiedet. Ich habe so viel gelernt und nehme sehr viel mit. Es war eine gute, eine bereichernde Zeit.

Aber ich will nicht viele Worte verlieren… heute brauche ich die Zeit für mich. Der Morgen war schon sehr emotional. Es fließen Tränen und ich kämpfe. Aber ich bin bereit. Das wird alles gut und ich schaffe das!

Am Wochenende werde ich zu den Pferden gehen, so wie meine Ärztin mir das empfohlen hat. Sie sagte ich solle raus aus der WG und nicht denken, dass ich nun alle Zeit dort verbringen müsse. Besonders nicht am Anfang.

Let’s do this.

Und gegen 10 Uhr räume ich hier das Zimmer. Eben wie in einem Hotel!

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Entlassung nach genau 9 Monaten – Leben, ich komme!

Am Freitag, den 15. Juni 2018 ist es soweit: ich werde entlassen.

Ich freue mich sehr, bin aufgeregt und fröhlich, habe aber auch ein wenig Angst. Doch die Freude überwiegt. Ich lasse viel zurück (Schönes, wie weniger Gutes), aber nehme noch viel mehr für mich mit. Erfahrungen, Erlebnisse, ein effektives Helfernetz und eine hervorragende Vorbereitung auf zuhause.

Es war eine lange Zeit, die ich hier stationär war. Es sind ganz genau 9 Monate gewesen. In dieser Zeit tragen andere ihr Kind aus. „Ist es nicht irgendwie auch für Sie so gewesen?“, fragt meine Ergotherapeutin beim Abschied und irgendwie… ja… ich habe mein inneres Kind in mir getragen und ihm ein Leben geschenkt, es hat sich gut entwickelt.

Meiner Musiktherapeutin habe ich Merci mitgebracht und sie hat sich sehr gefreut. Ich werde sie auch nach meiner Entlassung noch sehen können, was mich sehr glücklich macht.

Heute steht nochmal eine Visite an und ich muss in die Unfallchirurgie, weil die Naht an meinem Bein sich entzündet hat. Dann übernachte ich noch einmal daheim, ehe ich am Freitag, nach der Akupunktur und meinem Entlassgespräch, die Klinik verlasse. Endlich.

Es ist an der Zeit! Leben? Ich komme!

Entlassvorbereitungen: 3er Gespräch

Heute steht ein 3er Gespräch mit meiner Ärztin, meiner Betreuerin und mir an. Ich bin aufgeregt und euphorisch, wünsche mir für Donnerstag oder Freitag meine Entlassung. Ich hoffe sehr, dass meine Ärztin einverstanden ist.

Ich würde dann gerne am Donnerstag gehen, um am Freitag zu meiner mich ambulant betreuenden Psychiaterin gehen zu können. Die letzten beiden Juni-Wochen ist sie nämlich im Urlaub. Alternativ könnte ich am Freitag gehen und dann am Montag zu meiner Hausärztin zum Verschreiben der Medikation.

Außerdem will ich mit 2x 0.5 mg Tavor entlassen werden und erst im Alltag Fuß fassen, ehe man das reduziert. Jetzt zu reduzieren wäre schlichtweg töricht. Nicht zuletzt deswegen, weil mir das Absetzen immer sehr zu schaffen macht und ich nicht kurz vor Entlassung einer Krise unterliegen möchte. Das kann ich, gerade auch für die Anfangszeit daheim, einfach nicht gebrauchen.

Nun sitze ich da. Hoffend, dass ich diese Woche noch entlassen werde. Von mir aus auch schon morgen. Aber ich brauche noch ein Schreiben für die Pflegekasse von meiner Ärztin. Andererseits: donnerstags hat sie eh frei.

Ich gehe davon aus, dass ich gehen darf. Es muss einfach klappen. Alles andere würde mich jetzt schwer enttäuschen. Meine Betreuerin ist auf meiner Seite. Noch 1 1/2 Stunden bis zum Gespräch.

Ich halte euch auf dem Laufenden!

Musiktherapie, Therapie meines Lebens

Die Musiktherapie ist es, die mich wirklich berührt. Die meinen Verstand mit meinem Bauchgefühl verbindet, was so wertvoll und neu für mich ist. Mir tut das sehr gut, weil ich daraus fürs Leben lerne.

Gleich habe ich Musiktherapie. Bei Frau Br. ich mag sie sehr. Sie ist eine besondere Frau, mit einer wundervollen Ausstrahlung. Sie verzaubert mich und lädt mich immer wieder neu in die Welt der Musik ein, und es gelingt ihr selbst dann, wenn meine Rollläden ganz heruntergelassen sind, dass ich diese zumindest für einen Moment und einige Töne lang öffne und durch die kleinen Öffnungen hinaus ins Leben sehe.

Heute will ich meine Musiktherapeutin fragen, ob sie mich auch ambulant begleiten würde. Das wäre ein Geschenk unglaublich schönen und gigantischen Ausmaßes. Ich werde sie einfach fragen! Vielleicht bekomme ich dieses Glück ja geschenkt!

Und ich habe es bekommen. Wir werden uns auch nach der Klinik sehen. Ich bin überglücklich! 🍀🌱

Bereit für den Tagesurlaub

Ich sitze vor der Klinik und warte auf meine Betreuerin. Wir fahren gemeinsam in die WG, wo ich bis 14 Uhr den Tag verbringen darf. Die Entlassung naht, auch wenn wir noch keinen Termin festgelegt haben, aber wenn jetzt alles einigermaßen läuft, dann steht dem nichts mehr im Weg. Vielleicht noch ein oder zwei Wochen!?

Meine Ärztin Frau Dr. B. hat mich gestern sehr gelobt. Sie sagte ich sei noch nie so klar und präsent vor ihr gesessen und hätte nie meine dysfunktionalen Verhaltensstrategien so gut im Griff gehabt und das alle auf einmal. Sie hat Recht damit, was mir erst auffiel, als sie es sagte.

Nun gehe ich motiviert in meine ambulant betreute Wohngemeinschaft und freue mich auf mein neu gestaltetes Zimmer. Ich habe am Dienstag alles umgestellt und neu arrangiert. Habe alles geputzt und gewischt und abgestaubt. Selbst hinter den Schränken.

Nun geht es los in die WG. Ich bin glücklich! Und ich freue mich!

Oberarztvisite und warum ich trotzdem heimlich glücklich bin

Die Oberarztvisite war wenig erfreulich. Na ja, es war eigentlich gut, aber das Zyprexa wurde eben nicht erhöht, wie ich es mir erhofft habe. Aber ich kann die Beweggründe schon nachvollziehen (Puffer nach oben für schlechte Zeiten). Von daher bin ich, jetzt im Nachhinein, heimlich ein bisschen glücklich! Es ist einfach auch ein guter Tag.

Wann mein angekündigtes Einzelgespräch mit meiner Ärztin nun heute stattfinden soll, weiß ich immer noch nicht. Die Pflege meint ich solle sie nachher abpassen und fragen. Das nervt mich immer, weil man ständig wartet und abrufbar sein soll. Was, wenn man im 3-er Zimmer liegt und mal raus will, ziemlich anstrengend sein kann.

Ein 3-er Zimmer ist es seit gestern wieder. Ich liege mit zwei alten Damen zusammen (89 und 91 Jahre alt) und genieße deren Anwesenheit. Beide sind unglaublich nett und liebenswert. Ich hätte es nicht besser treffen können. Außerdem sind beide bei klarem Verstand und angenehm ruhig. Wir drei passen gut zusammen und sind zusammen 210 Jahre alt! Und trotzdem ist es einfach sehr eng in einem Zimmer, das für nur zwei Patienten konzipiert ist und auch da schon keinen großen Raum für Privatsphäre bietet.

Ich hatte gehofft, dass wir heute das Gespräch hier in der Klinik mit meiner Betreuerin machen können, weil sie spontan doch gekonnt hätte. Aber meiner Ärztin ist es nun doch nächste Woche lieber. Es bleibt also bei der ursprünglichen Planung.

Es zieht mich raus, ich würde gerne heim gehen. Die Zeit nach Hause zu gehen ist gekommen und ich fühle mich bereit. Heute geht es mir gut. Und auch wenn ich mit der Visite nicht so zufrieden war, so ist sie doch gut gelaufen. Ich bin zufrieden und heimlich glücklich. Aber ein Versuch, das Zyprexa noch zu erhöhen, war es trotzdem wert. Und letztlich wurde ich mehrfach in der Visite für meine Fortschritte in den letzten zwei, drei Monaten gelobt. Vielleicht brauchte ich das auch einfach mal wieder, dass mir jemand eine Grenze aufzeigt.