Irgendwas stimmt mit Speisi nicht!

Letzte Woche: „Ich bin ausgeschlafen, habe mich geschminkt, kalte Pizza zum Frühstück gegessen und habe immer noch Schmerzen in der Speiseröhre. Warum? Schon seit Tagen… vom Erbrechen. Auch jetzt kämpfe ich wieder damit nicht zu erbrechen. Aber das Frühstück ist raus, die Pizza und das Mittagessen auch.

Nun warte ich auf meine WG-ler und meine Betreuerin Frau C. Wir verabschieden sie mit Kaffee und Kuchen und im Anschluss gehe ich zur Belastungserprobung nach Hause. Theoretisch muss ich einkaufen, wenn ich nicht hungern will. Meine Speiseröhre würde es mir wohl danken. Ich bin gespannt was ich morgen wiege.

Meine Ärztin sprach im gestrigen Gespräch von Fachklinik für Essstörungen, aber von Klinik habe ich nun eigentlich genug.“

Heute: meiner Speiseröhre geht es besser. Dem Himmel sei Dank. Ich sitze in mitten eines Blumenmeeres und genieße die Sonne. Gleich gehe ich noch ein paar Meter. Und für den Nachmittag bin ich zum nochmaligen Spaziergang verabredet. So komme ich auf mein Schritte-Ziel. Komme an die frische Luft und in die Sonne. Vielleicht hole ich mir ja am Abend wieder ein Eis. Erbrochen habe ich leider auch heute wieder. Aber es wird weniger und darum geht es ja in erster Linie.

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Kurzärmlig? Das Recht auf Sommer.

Es wird warm und ich habe wie jedes Jahr Hemmungen kurzärmlig herum zu laufen – wegen meiner Narben. Ich will, aber wie sehen das dann meine Mitpatienten? Ich will mutig sein und ich werde heute noch, das erste Mal, einmal in kurzer Klamotte über den Gang der Psychiatrie schlendern. Ich glaube, wenn ich das das erste Mal geschafft habe, dann geht es gleich schon das nächste Mal viel leichter. Blicke und eventuelle Fragen sind ja okay und habe nicht auch ich ein Recht auf Sommer?

Ich kam nun zu dem Schluss, dass die Narben an den Armen nun wirklich nicht mehr sehr zu sehen sind und dass ich ruhig mutig sein kann.

Zu mir stehen und mich was trauen, das will ich! Von heute an.

Bulimie ist teuer!

Bulimie ist teuer. Heute hat sie mich, obwohl ich in der Klinik gefrühstückt und zu Mittag gegessen habe, bereits jetzt, um 16:45 Uhr, 22,60 € gekostet!

Einfach weil ich daheim die Kontrolle über die Essensmenge nicht habe. Und ich kann ruhig dazusagen, dass ich erst seit zwei Stunden daheim bin. Wenn ich 11,30 € in der Stunde verdienen würde, wäre das übrigens ein ganz guter Anfang.

Und dazu kommt ja noch das Kehrpaket von meiner Mum: einfach für zwei Tage daheim in der WG. Den Wert dieser Nahrungsmittel habe ich nicht in meinen 22 € berechnet. Ich bin ja nicht verrückt – OH, HALT! Vielleicht ja doch?

In der Klinik werden immer häufiger die Worte „danach Spezialklinik?“ erwähnt und ich wehre mich entschieden. „Das brauche ich nicht“, „das schaffe ich auch so“, „ich werde mein Gewicht jetzt halten“! Ja, na ja, ist klar. Aber ich fühle mich dahingehend nicht krank. Es ist ja mein Alltag.

Die Psychiatrie will, dass ich bis 53 / 54 kg zunehme, ich will u48. Da werden wir uns nicht einig. Und gerade deshalb strebe ich eine Entlassung an, weil ich mir, was mein Gewicht angeht, nicht viel sagen lassen will bzw. viel mehr kann, weil ich so in meinen Zwängen gefangen bin.  Zu jeder Mahlzeit versuche ich aufrichtig nicht zu erbrechen. Ich esse extra wenig um es ertragen zu können und doch ist es mir zu viel. Und wenn ich dann sicher bin „es“ geschafft zu haben, dann eskaliert es allzu oft doch noch.

Mein Gewicht halte ich seit einigen Wochen zwischen 48 und 49, aber ich würde lügen, würde ich behaupten, dass ich mehr wiegen will.

Wenn ich mich von vorne sehe, finde ich mich „okay bis mollig“, von der Seite bin ich „dünn“ (aber nur manchmal) und mein Bauch ist „überdimensional fett“. Einen solch dicken Bauch wie ich, sollte niemand herumtragen müssen, das geht doch aufs Kreuz.

Nachdem ich mich nun (aus anorektischer Sicht) vollgefressen habe, trinke ich Unmengen an Wasser und weiß ganz sicher, dass ich jetzt zum Porzellangott gehe und Buße tue.

Auf gut Deutsch: ich kotze mir die Seele aus dem Leib und schiebe mir die Hand so lange in den Rachen, bis ich nichts mehr rausbekomme. Dann trinke ich Wasser nach und „spüle“, was so viel heißt wie „ich kotze nochmal nach und würge auch den letzten Rest meiner Spinatpizza nach oben“.

Danach gehe ich wieder in mein Zimmer und treffe auf 2/3 meiner Pizza (weil ich nur zwei Stück von 6 gegessen habe) und einen Berg voller wilder Kartoffeln, die ich zurückgelassen habe. Und was mache ich, erfahrungsgemäß, dann?

Ja richtig. Ich fresse von Neuem, ich kotze von Neuem und dann denke ich vielleicht doch noch mal an die Worte „und danach Spezialklinik?“

übrig nach dem ersten, gefühlten Fressanfall.

 

ein „Hallo“, nach langer Zeit!

Nach sehr langer Zeit blogge ich mal wieder. Irgendwie finde ich, dass es Zeit dazu ist.

Ich bin nach wie vor in der Klinik, das Tavor ist beinahe abgesetzt und ich wiege nur noch 48,5 kg, habe also einiges abgenommen und halte mein Gewicht in etwa auf diesem Level.

Ich gehe immer wieder zum Übernachten und Üben in meine WG und habe so langsam vor, wieder in den Alltag zu kommen und verspüre den Wunsch entlassen zu werden. Es zieht mich raus und nach 7 Monaten Klinik ist es auch gut, dass es dazu kommt. Für mich und meine Stabilisierung ist das ein gutes Zeichen und nicht zuletzt auch dafür, dass es bergauf geht.

Von gestern auf heute habe ich in der WG übernachtet und mich gestern der Gartenarbeit verschrieben, das hat Spaß gemacht und tat mir und dem Garten gut. Außerdem war es ein Stück Normalität, was mir sehr gut getan hat.

Na ja, heute muss ich dann (leider) wieder zurück in die Klinik. Am liebsten würde ich heute zuhause bleiben. Aber mit etwas Glück kann ich diese Woche noch mal kommen. Darauf freue ich mich schon!

Hintertür: Essstörung

Heute habe ich 100 Gramm weniger als gestern auf der Waage gehabt. Nicht viel – besser als nichts! Habe dann heute noch nichts gegessen. Soll ja weitergehen.

Ich schaffe mein Ziel. Ich schaffe das! Es ist ein Versprechen an mich selbst, das mich tiefer atmen lässt und Ruhe in mir schafft. Ich will weniger sein. Weniger von diesem verabscheuungsvollen und benutzten Körper. Damals, als ich ganz dünn war, da hat sie mich dann nicht mehr angefasst und ich habe die Hoffnung, dass sie dann ganz aus meinem Leben verschwindet, wenn ich dem wieder nahe komme. Aber ich kann gerade nicht klar denken.

Halte mich nur im Hochwasser an einem Holztürrahmen fest um nicht weggeschwemmt zu werden. Es ist der Rahmen einer vertrauten Hintertür. Ich kann sie nicht loslassen, weil ich sonst in den Fluten sterbe

Heute bin ich dünnhäutig und empfindlich. Ja vielleicht weil ich zu wenig esse. Aber ich will heute einen Fastentag einlegen. Gar nichts essen. Weil alles zu viel wäre. Jeder noch so kleine Bissen

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Laufen und Abnehmen. Läuft.

Guten Morgen! Ich berichte von den letzten Tagen, an denen ich immer wieder joggen und spazieren war. In Ermangelung guten Wetters, habe ich gestern für 6 km das Laufband im Fitness bemüht. Aber auch der Graupelschauer vom Vortag hat mich nicht vom 7,6 km Rennen draußen abgehalten.

Ich esse regelmäßig aber wenig und ich nehme ganz gut ab. Die Diätpillen taugen allerdings nichts. Ich werde keine neuen nachkaufen.

Heute habe ich Bewegungstherapie und mein psychologisches Gespräch. Irgendwann im Laufe des Tages, werde ich mich wohl wieder dem Sport widmen.

Gestern habe ich meine Bedarfsmedikation voll ausgeschöpft und hatte schlimmsten Schneidedruck. Heute Morgen bin ich wieder klarer und saß schon mit einem Mitpatienten sehr früh im Aufenthaltsraum.

Meine neue Zimmernachbarin ist anstrengend. Sie redet ohne Unterlass und erzählt von ihrem Suizidversuch. Das triggert mich sehr.

Ich habe schon um 6:45 Uhr Bedarf benötigt und habe immer noch Schneidedruck. Morgen fahre ich mit meiner Betreuerin mit Bus und Bahn in die WG. Und dann wieder zurück. Ich bin schon aufgeregt sie zu sehen. Freue mich aber auch.

Jetzt starte ich in den Tag und hoffe für heute das Beste!

Unruhe in der Nacht!

Trotzdem ich die vergangenen beiden Tage Joggen war, bin ich heute Nacht wieder unruhig. Das liegt aber auch daran, dass meine Zimmernachbarin sehr unruhig ist und immer wieder das Licht anmacht.

Da wäre man dann lieber im Urlaub anstelle von in der Klinik. Ich bin todmüde. Aber was bringt es mir? Ich werde mich gleich wiegen gehen und bin wirklich sehr, sehr gespannt.

Minus 1,2 kg! Läuft bei mir! Das Joggen und die Abnehmpillen zahlen sich also doch aus. Das ist super. Freut mich sehr!

Später habe ich dann einen Termin mit meiner Ärztin, meiner Psychologin und meiner Betreuerin. Ich bin sehr aufgeregt, aber ich freue mich auch, weil es gut ist, wenn mein Helfersystem so einen stabilen Austausch hat. Das ist wirklich ein Geschenk!