Und ich dachte schon die Essstörung wäre weg

Gestern war es dann wieder soweit, ich habe mich übergeben. Selbstinduziert. 3 Mal. Dabei dachte ich schon die Essstörung wäre weg. Ich habe an Blitzheilung geglaubt und hielt mich für gesund, obwohl ich innerhalb einer Woche 3,7 kg zugenommen hatte. Was zu schnell, zu viel ist. Hilft mir jemand das zu verarbeiten? Nein. Und jetzt? Ich habe einen Ohrwurm: „der Speck muss weg! Der Speck muss weg! Der Speck muss weg!“ und so kam es, dass ich heute schon wieder flott auf dem Gang auf und ab lief und in der Küche agitiert um die Tische joggte. Wirklich… in der Küche joggt es sich gut. Auch wenn es irgendwie krank ist. Ich kann nur hoffen, dass mich niemand gesehen hat.

Man mag sich fragen „warum joggt sie nicht draußen?“, das liegt daran, dass ich wenig Ausgang habe, mich alleine nicht raus traue und es wie aus Kübeln schüttet. Meine aktuellen Ziele sind um die 16.000 Schritte am Tag, mindestens 8 Stockwerke überwinden und 3 x eine halbe Stunde Bewegungsaufzeichnung am Stück. Am besten morgens, mittags und noch abends“. Außerdem springe ich Seil.

Meine Zehen sind seit gestern getaped, weil Blasenpflaster nicht mehr reichten. So langsam könnte ich, weil ich so viel laufe, jeden Zeh tapen. Überall Blasen und Schmerzen.

Ich baue jetzt das Krafttraining wieder weiter aus. Bodyweight-Training. Ich merkte die letzten Tage deutlich, dass ich fitter werde (ohne das Erbrechen). Aber wenn ich jetzt wieder in der Essstörung hängen bleibe, dann war es das mit meiner Fitness. Also nehme ich mir vor, dass es bei einem intensiven Zwischenfall bleibt, was die Kotzerei gestern angeht und gehe den heutigen Tag mit Mut und Zuversicht an. Ich brauche einfach nur viele Kalorien zu verbrennen, dann ist es auch drin, dass ich etwas esse.

Kopfschüttelnd sitze ich im Aufenthaltsraum und muss herzlich lachen: und ich dachte wirklich schon die Essstörung wäre so schnell weg! Ein bisschen naiv oder sagen wir lieber „ein wenig viel Optimismus!“, na ja. Neuer Tag, neues Glück! Und jetzt laufe ich wieder auf dem Gang auf und ab. Kalorien verbrennen, na ihr wisst schon.

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11 Gedanken zu “Und ich dachte schon die Essstörung wäre weg

  1. Liebes Fräulein Voni,

    da ich mich mit Essstörungen nicht auskenne, werde ich mich mit „guten“ Ratschlägen oder so zurück halten.
    Ich wünsche dir aber, dass du ein bisschen Geduld und Nachsicht mit dir zeigen kannst. Ich arbeite ja sehr am Thema Selbstwertgefühl/Selbstliebe und ein Rat, der mir dahingehend sehr hilft ist: „Behandle dich selbst mit so viel Liebe, Geduld und Nachsicht, wie du deine beste Freundin behandeln würdest.“

    Das möchte ich dir einfach mal da lassen und dir alles Gute Wünschen!
    Liebe Grüße 🙂

    Gefällt 2 Personen

  2. Das tut mir leid für dich 😦 hab deinen Blog erst vor kurzem erst entdeckt und kenne daher deine Vorgeschichte nicht und möchte auch keine Ratschläge geben. Aber einen Kommentar dazu, was mir auffällt: Ich denke du kannst nicht erwarten, dass du dich nicht mehr übergibst, wenn du deine Essstörung immer noch mit deinen Gedanken anfeuerst.. Gedanken wie: Ich muss auf 16.000 Schritte kommen, muss Sport machen, weniger essen, darf nicht zunehmen… Genau solche Gedanken SIND die Essstörung. Meiner Meinung nach sind Essanfälle Bzw das Übergeben nur Symptome, die man natürlich loswerden möchte, aber dafür muss man erst einmal seine Gedanken umstellen. Mir ist zum Beispiel aufgefallen, dass ich den Ess/Brechzyklus umgehen kann, wenn ich mich besser fühle. Das ist zurzeit meine fast einzige Strategie, sie zu vermeiden.

    Gefällt 4 Personen

  3. Liebe Voni, eine gute Freundin mit Anorexie sagte mir, dass eine Esstörung immer im Kopf beginnt. Lange bevor der Körper schwach und dünn ist. Deine Gedanken drehen sich nur um den Körper um sein mögliches zuviel sein. Ich glaube auch nicht dass eine Esstorung einfach aufhört. Man ist ihr mal mehr oder weniger Untertan. Ich wünsche dir viel Kraft und Nachsicht für dich selbst.
    Herzlich Alice

    Gefällt 4 Personen

  4. Liebe Fräulein Voni,
    da liegt aber eine lange Zeit hinter dir. Respekt, dass du das solange aushälst.
    Ich finde es großartig, dass du den Rückschlag nicht als komplettes Versagen siehst! Sondern als das was es ist, ein kleiner Schritt, der nicht so funktioniert hat.
    Und das obwohl du dachtest das größte Ziel von allen erreicht zu haben.
    Das ist eine ordentliche Leistung, die zeigt wie stark du bist. Wie sehr du kämpfen möchtest.
    Das ist nicht selbstverständlich!
    Behalte dieses Denken unbedingt bei.
    Wie „Über das Leben und lieben“ schon geschrieben hat, dreht dein Leben sich noch immer um Sport, Essen, Zu- und Abnahme.
    Das ist zwar normal bei einer Essstörung, doch genau da liegt das Problem.
    Dein Leben benötigt einen neuen Sinn. Ein neues Thema. Etwas anderes worüber du dir den Kopf zerbrechen kannst. An was du arbeiten kannst.
    Dein Leben dreht sich seit langem nur um genau das Thema. Wie soll dein Unterbewusstsein, dein Kopf, dein Körper oder sonst etwas davon wegkommen?
    Du gibst ihm doch das Signal dafür, dass er sich damit beschäftigen soll und muss.
    Man könnte sagen, du versorgst das Monster, damit es nicht stirbt.
    Entziehst du ihm jedoch sämtliche Lebensgrundlage, wird es mit der Zeit dahinraffen.
    Du musst einen starken Willen haben, daran kann es nicht liegen. Woran liegt es dann?
    Stell dir diese Frage einfach mal selber. Was hinter dich daran deinem Leben einen anderen Sinn zu geben?
    Natürlich werden die Gedanken kommen, es wird sich nicht einfach sofort in Luft auflösen.
    Aber irgendwann ist es nur noch ein blasser Schimmer, bis auch der verschwindet!
    Ich wünsche dir viel Erfolg auf deinem Weg! Die Kraft und die richtigen Menschen an deiner Seite.
    Liebe Grüße Miss Somebody

    Gefällt 1 Person

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