10 Tage Urlaub – ein Resümee

Da meine Lieblingsbetreuerin 10 Tage in den Urlaub gegangen ist, haben wir beide, noch zuvor, auch für mich eine Urlaubswoche geplant und ausgearbeitet. Das fand ich toll.

Leider war, ab dem Wissen Frau Hoffnung nicht mehr erreichen zu können auch schon die Eskalation nicht mehr weit weg. Und so lautet mein Resümee:

  • Ich habe mich sehr angestrengt
  • Ich war sehr viel häufiger bei meinen Eltern als ausgemacht
  • Ich habe die Tiere besucht, was sehr gut getan hat
  • Ich war sehr viel spazieren (aua, meine Füße)
  • Ich habe immer noch wahnsinnige Sorge wegen des Gutachtens und der Unterlagen
  • Ein Teil meiner Medikamenten ist ausgegangen
  • Ich habe Angst vor der kommenden Therapiesitzung
  • Ich bin froh, dass meine Lieblingsbetreuerin mich begleitet (so dankbar)
  • Ich hatte das Ziel in der Urlaubszeit 1 kg abzunehmen
  • 1,5 kg Abnahme habe ich erreicht, damit bin ich zufrieden (einigermaßen)
  • Ich war sehr angespannt und im maschinenhaften Funktionieren-Modus
  • Habe viele Erinnerungslücken
  • Bin zeitlich und räumlich schlecht orientiert
  • Meine Augen gehen gerade fast täglich nach oben
  • Einmal so sehr, dass ich stehen bleiben musste und meine Mum mich dort abholte, was mir sehr, sehr peinlich war

Und das schönste jetzt, wo Frau Hoffnung wieder da ist?:

  • Ich darf meine Masken wieder zur Seite legen
  • Ich kann wieder die sein, die ich eigentlich bin
  • Ich hoffe, dass ich heute schon mit ihr sprechen kann oder wir uns sogar treffen können

Morgen steht mit der WG ein Ausflug an und am Donnerstag muss ich dann schon zur Therapeutin/ Psychiaterin. Mal sehen wie das alles wird. Von dort bekommen wir noch ein Gutachten, das wir mit an die Pflegekasse schicken und dann wird es wohl auch von dort aus bald zu einem Termin zur Wiederholungsuntersuchung kommen.

Ich hab echt Bammel.

Dass heute aber meine Lieblingsbetreuerin wieder kommt ist mein Highlight des Tages! Jetzt kann nichts mehr schief gehen. Ich bin so dankbar, glücklich und froh!!!

so lange du atmest, läuft mehr richtig als falsch

Ich wache auf aus einem bewegenden und verzweifelt machenden Alptraum und fühle mich, wegen des Traums, schlecht und schuldig und bin allgemein fertig mit den Nerven. Der Traum suggeriert mir nur wieder einmal das, was ich ohnehin von mir denke: „ich bin falsch“, „ich stelle mich nur an“, „ich bin ein schlechter Mensch“.

Draußen zwitschern die Vögel!

Zu allem Übel kommt nun auch noch eine Wiederholungsuntersuchung/ ein erneutes Gutachten auf mich zu und ich weiß nur eine Sache, die jetzt noch oben drauf kommen könnte, die mich, neben der „Therapie-Geschichte“ und dem Gutachten, noch mehr in den Abgrund reißen könnte. Alles was jetzt noch fehlt ist ein Hilfeplangespräch. Aber ich ahne es schon, wahrscheinlich steht es schon unten vor der Haustür und wartet nur darauf, dass ich ihm die Türe öffne.

Und merke: es geht immer schlimmer. Man soll das Leben ja nicht unnötig herausfordern.

Trotzdem mag ich meine Sachbearbeiterin.

Meine Lieblingsbetreuerin sagt, dass wir das zusammen schaffen, alles was ansteht und ich bin ihr sehr, sehr dankbar. Eigentlich wollen wir die nächste Therapiesitzung verschieben. Nach hinten raus. Aber durch meinen Alptraum heute Nacht bin ich nur schrecklich angespannt und eingeschüchtert. Bloß nichts Falsches machen mit meiner Therapeutin. „Du musst da hin, Fräulein Voni!“, „andernfalls wird sie sehr sauer auf dich sein!“. Und ich will es nicht, dass irgendwer sauer auf mich ist: schon gar nicht wenn ich diese Person eigentlich gern hab.

Ich frage mich, ob ich „wieder nur“ Schatten sehe und einfach unter Pseudohalluzinationen leide, oder ob hier wirklich etwas herum fliegt. Aber das ist nicht mein größtes Problem gerade. Es wäre nur das Tüpfelchen auf dem „i“. Angesichts des hohen Stress wäre das sogar denkbar. Aber dafür habe ich keinen Kopf. Und so lange ich noch weiß, dass es nur Pseudohalluzinationen sind, ist ja alles noch irgendwie okay.

Draußen schüttet es wie aus Kübeln, dazu starker Wind. Ich habe mein Fenster aufgemacht, mich davor gesetzt und meine Füße auf die Fensterbank gelegt. Sie werden nass und der kalte Wind lässt das Wetter an meinen Füßen wie einen Kühlakku der Natur anfühlen. Herrlich!

Und dann erinnere ich mich eines Spruches, der alle Sorgen abtut und relativiert, auch wenn er etwas salopp ist:

So lange du atmest, läuft mehr richtig als falsch!

Ich versuche mich damit zu beruhigen, was nicht gelingen mag und so denke ich am frühen Morgen schon über meine Bedarfsmedikation nach, bin mir aber sicher, dass ich es noch aushalten möchte.

Wenn ich mich nur wiegen könnte, vielmehr dürfte. Aber Abmachung ist Abmachung. Also halte ich den Deal mit meiner Lieblingsbetreuerin auch ein. Nächster Wiegetermin ist erst der 31. März. Trotzdem arbeitet die Essstörung auf Hochtouren. Aber das ist wiederum ein anderes Thema.

Inkompetenz-kompensations-kompetenz.

Zumindest will ich hoffen, dass ich eine Inkompetenzkompensationskompetenz besitze, denn die letzten Tage waren doch sehr impulsiv emotional und ich fühle mich, als habe ich Inkompetenz im Paket an den Tag gelegt, dabei war ich vielleicht auch einfach nur ein bisschen mutig!?!

Das, dann wohl nicht in meinem Handeln am Tag,  wohl aber in meinen Mails an meine Lieblingsbetreuerin, die 10 Tage nicht da war und erst morgen wieder kommt.

Ich habe gejammert und geklagt, habe in Frage gestellt und mein Innerstes nach Außen gedreht und einfach authentisch berichtet, wie es mir in jedem dieser einzelnen Moment ging, als ich ihr schrieb. Muss mir das peinlich sein? Oder war ich einfach nur echt, ehrlich und aufrichtig?

Ich bereue keine dieser Mails, weil ich in genau diesem Moment, genau so und genau das gefühlt habe, was ich ihr aufgeschrieben habe. Oder bereue ich doch? Ich hoffe, dass ich jetzt die Kompetenz besitze, die Inkompetenz zu kompensieren. Denn sobald ich mich traue, meine eigene Meinung offenzulegen, fühle ich mich leider noch immer inkompetent. Als wäre es ein eisernes Gesetzt, dass ich falsch bin, wenn ich mich ausdrücke.

Ein bisschen in diese Richtung des Klagens, komme ich seit meiner letzten Therapiesitzung, in der mir meine Therapeutin sehr geholfen hat, indem sie meiner Lieblingsbetreuerin etwas aus dem WG-Alltag berichtete, das ich so noch nie angesprochen hatte bei meinen Betreuern. Das hat mich gestärkt! Und ich werde mutiger, seit der letzten Therapiesitzung. Und heimlich macht mich das auch ein kleines bisschen stolz! Aber so ganz im Griff habe ich das noch nicht.

Ich mag das Wort: Inkompetenzkompensationskompetenz. Jetzt stellt sich aber noch die Frage, ob ich diese Kompetenz überhaupt brauche: war ich überhaupt inkompetent meiner Lieblingsbetreuerin gegenüber? Oder habe ich einfach auf Balance in unserer WG geachtet? Und wie schafft es meine Lieblingsbetreuerin bei all den schwierigen Situationen hier, noch neutral zu bleiben. Eines aber ist, bei all den offenen Fragen, sicher: ich rechne, meiner Lieblingsbetreuerin, ihre Kompetenz hoch an.

danke für nichts! Aber die Sonne scheint!

Ich sitze in meinem Zimmer am Schreibtisch. Die Sonne scheint auf meine Hände und den Laptop. Es ist schön hier zu sitzen und die Sonne zu spüren.  In solchen Momenten werde ich an das Leben erinnert und daran, dass dieses auch Schönes für mich bereithält. Aber erst einmal war ich nur gefrustet.

Ich schrieb:

„Raus bekommt mich heute, glaube ich, nichts mehr. Ich habe genug. Mir reicht es. Mir stiegt schon wieder die Galle hoch, als ich hier ankam und immer noch alles nach Chinazeug roch.

Der Mann meiner Mitbewohnerin, im ambulant betreuten Wohnen, ist Chinese und die beiden kochen mit Leidenschaft chinesisch. Na gut, er kocht und sie isst, was offensichtlich ist. Aber das tut nichts zur Sache: es ist nur so, dass ich jegliche asiatische, chinesische, thailändische, indische Kost einfach überhaupt nicht mag. Das hängt mit einer traumatischen Erfahrung zusammen und es ist nicht nur so, dass ich es „nicht mag“, mir wird regelrecht wirklich schlecht davon. Auch von Fenchel, aber den kocht hier keiner.

Natürlich kann ich nicht sagen „ihr dürft nicht mehr kochen“, das versteht sich von selbst. Aber ich wünsche mir, dass sie die Türe beim Kochen schließen und nach dem Essen die Küche lüften und nicht alles ins Haus ziehen lassen. Wahrscheinlich würden sie das sogar machen, aber ich bekomme meinen Mund nicht auf.

So habe ich heute Morgen alles aufgerissen, was ich an Fenstern gefunden habe und habe ein Handtuch von Innen an meinen Türschlitz gelegt und mein Zimmer gelüftet. Wach war ich um 03:30 Uhr eh schon, nachdem mit lautem Klirren unten in der Küche Geschirr in die Spülmaschine geräumt wurde, eine Tür knallte und Stühle quietschend gerückt wurden.

Danke, für nichts! Heute hätte ich echt noch Schlaf gebraucht, aber danach fragte, nachts um halb 4, leider keiner.

Nachdem ich heute Morgen mit meinem Opa den Stall gemacht habe, mit meiner Mutter gefrühstückt habe und dann mit ihr, mit drei Pferden, spazieren war, bin ich wieder nach Hause gefahren, wo mich der China-Duft erwartet hat, als habe er sich nach mir gesehnt.

Ich habe mir dann schnell meinen Gemüsesalat geschnappt und bin in mein Zimmer geflüchtet. Habe das Handtuch wieder vor den unteren Türschlitz gelegt und mein Zimmer erneut gelüftet. Im Flur habe ich wieder alle Fenster aufgemacht. Ich ekle mich.

Den Gemüsesalat habe ich runter gefressen und dann den Kuchen von meiner Mum. Ich war „zur Abwechslung mal wieder“, vollgefressen bis oben hin.

Erst kurz zuvor hatte ich zu mir gesagt „scheiß drauf, dann bleibe ich eben so“ (und meinte damit mein Gewicht, den BMI etc.). Wir alle wissen, dass ich das sehr schnell wieder vergessen hatte.

Ich war dann kotzen. Jetzt geht es wieder.“

Nun hatte ich mich aber auch mental ausgekotzt und dann wieder zu etwas Ruhe gefunden. Ich habe mich wieder auf meine Hände, den Laptop und die Sonne konzentriert. Habe auf 1-2-3-4 eingeatmet, 1-2-3-4 die Luft angehalten und auf 1-2-3-4 wieder ausgeatmet. Was nutz es mir, wenn ich mich aufrege, mich aber nicht artikulieren kann?!

Meine Therapeutin hat dieses Thema mit den Männer-Besuchen in unserer ambulant betreuten WG, in der letzten Therapie-Sitzung bei meiner Betreuerin angesprochen. Dafür bin ich ihr sehr dankbar, weil ich mich, von mir aus, nicht einmal bei meiner Lieblingsbetreuerin dazu geäußert habe, weil ich mich einfach nicht getraut habe und nicht meckern wollte.

Nun ist es aber raus… und das ist sehr gut so.
Die Frage ist jetzt „wie gehe ich damit um?“.

2 Monate outpatient. Wer bin ich?

Ich kann es kaum fassen: nun ist es schon 2 Monate her, dass ich nach 9 Monaten Klinik, aus dieser entlassen wurde. Nicht geheilt. Aber ein bisschen stabiler, wenn man so will.

Die ersten Wochen daheim, war ich sehr euphorisch. Das hat sich wieder gelegt. Die depressiven Gedanken und Symptome haben wieder Einzug gehalten und ich dissoziiere sehr viel. Meine Anteile wechseln schnell. Aber sie zeigen sich und meine Therapeutin und Ärztin sagt, dass es doch immerhin ein Zeichen von Leben sei, in meiner sonst so harten Fassade. Was soll ich sagen: sie hat Recht!

Heute haben wir wieder WG-Besprechung und meine Lieblingsbetreuerin und ich wollen in dieser das Thema Dissoziation ansprechen. Es war nicht meine Idee… aber ich sehe ein, dass es Sinn macht. Denn ich habe gerade absolut keinen Einfluss auf meine inneren Wechsel und meine Therapeutin sagt, dass ich das nicht willentlich steuern kann. Sie sagt auch, dass der selbstbestrafende, kontrollierende und destruktive Teil in mir auch nur ein Anteil ist und dass das nicht ich bin. Das hat mich sehr erleichtert und hat viele Anteile eingeladen sich zu zeigen. Noch stehe ich verunsichert am Rand meines Selbst und sehe diesem Schauspiel zu. Es ist aufwühlend und verwirrend. Aber es macht mich auch neugierig. Frei nach dem Motto „wer bin ich? Und wenn ja, wie viele?“

Am Montag war ich noch mal bei meiner Therapeutin und habe meinen Tavor-Bedarf abgeholt, den ich in der Woche zuvor vergessen hatte. Das war sehr schön und herzlich. Es hat mir so gut getan sie zu sehen und in der Praxis gewesen zu sein und trotzdem denke ich, dass der 2-Wochen-Rhythmus für die Therapiesitzungen klar geht.

In einer guten Woche habe ich also wieder ambulante Therapie und dann sind, aufgrund des Jahresurlaubs in der Praxis, leider 4 Wochen Pause. Aber mit meiner Lieblingsbetreuerin an meiner Seite, schaffe ich auch das.

Ja, wer bin ich? Was macht mich aus? Wie komme ich in die Kommunikation mit meinen Anteilen? Meine Therapeutin hat mir vorgeschlagen ein Buch für Notizen auszulegen, in das alle Anteile hineinschreiben oder malen dürfen. Dieser Idee schenke ich Raum und Zeit.

Leider habe ich mich gestern selbstverletzt. Ich habe mich geschnitten, konnte aber alles selbst versorgen. Warum? Keine Ahnung. Ich habe es kaum mitbekommen. Die Selbstverletzung ist aber kein Grund jetzt in einem Tief zu versinken.

Im Gegenteil: ich biete dem Leben die Stirn!

Annika: „der Wind wird immer stärker!“

Pippi: „das macht nichts: ich auch!“

Ich mach‘ jetzt häufiger Urlaub auf Zyprexa

Nach meiner schweren dissoziativen Fugue oder wahlweise einem psychotischen Anfall (denn was es nun war wissen wir nicht), hat meine Betreuerin mit meiner Psychiaterin telefoniert und sie kamen zu dem Schluss, dass wir das Zyprexa am Morgen erhöhen.

Ob es hilft weiß ich noch nicht so genau. Ich glaube aber, dass es meine Gedanken ruhiger macht. Und das ist eine willkommene Wirkung. Und so mache ich nun also etwas mehr Urlaub auf Zyprexa.

Mein nächster Therapietermin ist leider erst in einer Woche. Dafür ist aber meine Lieblingsbetreuerin wieder da und nach einem kurzen Gespräch gestern, sehe ich sie am Freitag wieder zu einem längeren Termin! Ein Lichtblick!

Wie viel Zeit gibst du deinem Irgendwann?

Nach etlichen schlimmen, furchtbaren Tagen, in der Dissoziation, kann ich wieder denken! Es war schrecklich. Kaum zu ertragen, aber ich habe das alles nur neblig und grau erlebt. Ich bin froh, diese Dissoziative Fugue überstanden zu haben. Das waren schreckliche Tage.

Das wichtigste ist es jetzt, dass ich meine Erkrankung sehe und annehme. Mich nicht bestrafe. Mir keine Schuld an meiner Erkrankung geben. Das wird besser werden, ich habe viele Helfer.

Ich stand wohl irgendwann draußen in der knallen Sonne. Hatte nichts gegessen und kippte immer wieder fast vorneüber. Ich wartete auf meine Mum (die davon nichts wusste).  Ein aufmerksamer Nachbar kam irgendwann und fragte ob er helfen könne. Ich stand dort stundenlang. Ich verneinte dankend. Er sagte er müsse sonst den RTW holen. Ich war weiterhin überzeugt, dass ich abgeholt würde. Der junge Mann stellte mich in den Schatten und brachte mir dann sogar noch ein Wasser. Er bestand darauf, dass ich bei meinen Eltern anrief. Meine Eltern wussten davon nichts, dass ich auf sie wartete. Ich hatte tatsächlich einen psychotischen Anfall oder eine dissoziative Fugue. In jedem Fall einen Anfall, der mich noch tagelang quälen würde. Aber das wusste ich in diesem Moment noch nicht. Meine Mutter lotste mich am Telefon zurück ins Haus und holte mich dann von dort ab. Mehrere Nächte war ich dann bei meinen Eltern. Erst heute geht es mir soweit besser, dass ich in die WG zurück gehen werde.

Am Montag hatte ich noch Betreuung bei Frau G. aber ich erinnere nur, dass sie mit meiner Psychiaterin ein Medikament telefonisch erhöhen ließ.

Die letzten Tag waren ein furchtbarer Alptraum. Einen solch massiven, dissoziativen vielleicht psychotischen Anfall hatte ich noch nie. Ich brach immer wieder zusammen.

Lag es an dem Buch das ich lese und war es einfach eine krasse Reaktion meines Körpers, der sich wehrt meine Anteile anzuschauen?

Ich hoffe, dass dieser dissoziative Zustand etwas einmaliges bleibt. Denn dass ich in dem Moment nicht wusste was ich tue ist echt schlimm für mich. Aber jetzt gilt es, erst einmal, mich wieder zu beruhigen. Mir selbst zu vertrauen und zuzulassen, dass ich dafür nichts kann (wie auch meine Therapeutin sagte: „Sie können das nicht willentlich steuern“). Sondern es zu meiner Erkrankung gehört und ich daran wachsen werde.

Ich bin nicht Schuld!

Mein Irgendwann ist jetzt.

meine Therapeutin ist die Beste

Gestern hatte ich Therapie und kann dem Plakat, das bei meiner Psychiaterin/ Therapeutin im Wartezimmer hängt, nur zustimmen:

Sie behandelt mich gut. Sie versteht mich. Sie unterstützt mich. Sie behandelt mich individuell und geht auf mich ein. Oft nimmt sie mir Last ab und sie kämpft mit mir gemeinsam gegen Selbsthass und selbstbestrafende Anteile.

Ich habe meine Sitzung gestern Morgen aufwändig vorbereitet (1 Seite) und sie noch intensiver und sehr reflektiert nachbereitet (2 Seiten). Ich habe einen Therapieordner begonnen, in den ich auch die Reflexion von vor zwei Wochen abgelegt habe (die fiel wesentlich knapper aus). Ich bin stolz, dass ich so an mir arbeite. Und ich bin stolz, dass ich alleine hingegangen bin. Ich bin zur Therapie hin- und wieder zurückgelaufen, was bei der Hitze anstrengend war, aber es tat trotzdem sehr gut.

Gestern war ich dann wirklich erschöpft. Aber es war eine super Therapiestunde! Wir haben viel geredet und sind alle möglichen Punkte durchgegangen; das tat gut und ich brauchte meinen Zettel mit den Stichpunkten noch nicht einmal herauszuholen.

Das einzige Thema, das ich ausgespart habe, ist das Essen.

Am Nachmittag war ich dann noch bei den Pferden und habe meinen Voni geputzt. Auf der Weide unter den Bäumen sitzend, war es mit dem sanften Wind, trotz Hitze, sehr gut auszuhalten. Und wie wir da im Schatten saßen und Mirabellen direkt vom Baum genascht haben, haben sich die anderen Ponys alle dazu gestellt – das war richtig schön!

Outpatient – wie ist es eigentlich daheim?

Aktuell komme ich ziemlich gut zurecht. Meine Lieblingsbetreuerin ist im Urlaub für vier Wochen, worunter ich und alle WG-ler irgendwie ziemlich leiden, aber jetzt haben wir schon 2/3 der vier Wochen geschafft, da schaffen wir den Rest auch noch. Meine Strategier dafür? Gefühle wegdrücken. Läuft auch gut.

Ich hatte in der Klinik und in der Fortführung daheim 10 kg zugenommen. Aber seit meinem Juli-Projekt mit meiner besten Freundin habe ich davon jetzt wieder 3,4 kg abgenommen, was ich für knapp 3 Wochen ziemlich gut finde.

Ich gehe, wenn ich aus meiner Lethargie herausfinde, spazieren und mache ab und an Freeletics. Letzteres lasse ich aber ziemlich schleifen. Heute habe ich mich mit meinem Vater zu einem Ausflug verabredet, worauf ich mich schon freue.

Was das Essen angeht kompensiere ich darüber viel. Ich habe jetzt auch wieder ambulante Therapie, wir sehen uns alle zwei Wochen. Das ist super für mich. Auch soll es eine stabilisierende und vorerst keine aufdeckende Therapie werden. Erfreulicher Weise wurde die Langzeittherapie bewilligt.

Es geht mir wirklich ganz gut und ich bin sogar so mutig, dass ich mich morgen mit einer mir bis dato unbekannten Betreuerin treffe. Ich habe auch schlechte Momente. Zum Beispiel brauche ich oft Bedarf und gehe meist gegen 15/ 16 Uhr ins Bett (wirklich!). Aber dafür sind die Morgende gut und ich spare mir so das Abendessen. Natürlich lenkt die Essstörung mal wieder echt gut ab. Aber damit bin ich zufrieden. Und was mein Gesamtempfinden angeht: bin ich glücklich.

Mit meinen Eltern komme ich super aus und manchmal übernachte ich auch dort. Ich bin wieder häufiger im Stall und liebe mein Pferd über alles. Er freut sich immer und wir gehen reiten oder spazieren. Das ist wunderschön.

Ihr seht: es läuft gut für mich und da kann man Tiefschläge und schlechte Tage und Momente auch irgendwie aushalten und überstehen.